Nuoc – Klimawandel? Bitte weiter träumen.

Der vietnamesische Regisseur Nguyễn-Võ Nghiêm-Minh erzählt in Nước (2014) – einem ersten Science Fiction-Film aus Vietnam – davon, wie die Erderwärmung die Verhältnisse in Süd-Vietnam verändern kann. Eine Filmkritik.

Nuoc 2030 film still

Nước | 2030
Panorama 2014
VNM 2014
REGIE: Nguyễn-Võ Nghiêm-Minh
Quỳnh Hoa

Ästhetisch und formell gefällt der Film sehr gut. Auch wenn die Sci-Fi-Ästhetik und die animierten Bilder etwas naiv und gebastelt wirkten, stört es den gesamten Eindruck nicht. Auf dem neutralen Wasserhindergrund treten die Charaktere meditativ aber auch deutlich hervor. Wasser kann man ja fast ohne Ende anblicken.

Das Ende des Films finde ich allerdings problematisch. Es ist nur scheinbar offen. Entweder sind Sao und Thi-Giang tot und müssen sich nicht um den Meeresspiegel kümmern oder er ist tatsächlich zurückgegangen. Die Wolkenkratzer und vollbeladenen Schiffe im Hintergrund zeigen, dass sich an der Weltwirtschaft, die für den Klimawandel verantwortlich ist, nichts geändert hat. Der Rückgang des Meeresspiegels in der Schlussszene wirkt gottgegeben. Dieses vertuschte Happy End ist aber trotzdem in bester Hollywood-Manier gefilmt, alles endet paradiesisch.

Nước ist eben ein Märchen, trotz eines so aktuellen und bedeutenden Themas wie dem Klimawandel. Die kapitalistischen und techno-wissenschaftlichen Wirtschaftsstrukturen, für die Thi-Giang symbolisch steht, haben die Erderwärmung verursacht. Durch Saos Liebeswahl werden sie zur einzigen zukunftsfähigen Strategie erklärt. Sogar ihre Liebe zu Büchern wird als passé dargestellt. Was mit der paradiesischen Wasserwelt untergeht, ist nicht nur das alte, bäuerliche Leben und die Schriftkultur. Mit ihr ist auch die Hoffnung dahin, die globale Weltordnung zu revidieren. Saos Entscheidung für Thi-Giang legitimiert symbolisch das passive Weiterträumen unter den gleichen politisch-ökonomischen Rahmenbedingungen. Das ist die problematische Botschaft von Nước, der sein aktuell relevantes Kritikpotenzial verfehlt.